amarcord 2017 - Kirche SZB

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Musiksommer 2017
<
 
>
Fotos: J. Leonhardt
... kaum jemand vermag die feierliche Stille durch Applaus zu zerstören.

Es ist ein warmer Sommerabend.
In der ehrwürdigen barocken Kirche auf dem Felssporn hoch über Schwarzenberg haben sich zahlreiche Musikliebhaber eingefunden. Dem letzten Klang des Geläutes von St. Georgen folgt erwartungsvolle Stille. Die weichen Töne einer Viola da gamba erfüllen nun das Gotteshaus. Hille Perl streicht mit dem Bogen über die Saiten und eine wehmütige Stimmung dringt aus dem Instrument.
Da unterbrechen Trommelschläge die Töne und wirken bedrückend, erinnern an Kampf und Streit. Leise mischen sich die Klänge einer Gitarre unter den Rhythmus. Langsam, würdevoll schreiten Musiker und Sänger durch die Reihen und betreten den Altarraum. Die klaren Stimmen des Vokalensembles „amarcord“ erfüllen den Raum. Wo zu anderen Konzerten nach den einzelnen Stücken applaudiert worden wäre, vermag es an diesem Abend kaum einer die feierliche Stimmung mit Beifall zu zerstören.
«Madrigales y Ensaladas» überschreibt das Ensemble ihr heutiges Programm mit Vokal- und Instrumentalmusik der spanischen Renaissance und eröffnet damit den diesjährigen Musiksommer in Schwarzenberg. Nach 50 Jahre montäglicher Abende der Sommermonate in der St. Georgenkirche erreicht die musikalische Reihe mit diesem Konzert ihren neuen Höhepunkt. Gemeinsam mit der Gambistin Hille Perl, Lee Santana (Vihuela und Citra), Christoph Sommer (Theorbe und Gitarre) und Michael Metzler (Percussion) erzählen sie die Geschichte von Don Beltrán, dem spanischer Adligen aus dem Hause La Cueva. Angereichert mit viel spanischem Lokalkolorit in Form der tänzerischen "Ensaladas" tauchen sie ein in eine Welt, in der Kriege in Europa noch zum Alltag gehörten. So erzählen die Stücke vom Verlust und der Sehnsucht, von der Liebe und der Hoffnung, von Trost und Vergebung. Gerade in den Ensaladas kommt aber auch eine große Lebensfreude zum Ausdruck. In diesen unterhaltsamen Stücken werden italienische und spanische bzw. katalanische Texte ebenso gemischt wie geistliche Lieder und volkstümliche Melodien.
Die Einführungen zu den einzelnen Geschichten spricht Bassist Holger Krause in der Originalsprache, was die Authentizität der Erzählungen greifbar macht – Wolfram Lattke spricht den deutschen Text und berichtet von dem Geschehen aus dem Spanien des 15. Jahrhunderts. Der Wechsel zwischen der Sprache und dem Gesang wirkt in seinem Kontrast reizvoll und spannend. Die Virtuosität des Gesanges der fünf Vokalisten, gepaart mit der perfekt gespielten Musik der mittelalterlichen Instrumente in den Händen der vier Ausnahmemusiker ergeben einen homogenen Klangteppich der den Kirchenraum erfüllt und dem sich keiner der Zuhörer entziehen kann.
Den emotionalen Höhepunkt erreicht das Konzert, als ein junger Mann den Altarraum betritt und in arabischer Sprache die Worte Ibn Arabis (1165 bis 1240), des bedeutenden islamischen Gelehrten, spricht:
„Es gab eine Zeit, da wandte ich mich von all denen ab, die nicht meines Glaubens waren. Jetzt aber ist mein Herz fähig geworden, alle Formen anzunehmen. Es ist Weide für Gazellen, Kloster für Christen, Tempel für Götzenbilder und Pilger zur Ka’ba. Es ist die Schrifttafeln der Thora und das Buch des Korans. Meine Religion ist die Liebe: Welchen Weg auch immer die Karawane der Liebe nehmen möge, es ist der Weg meines Glaubens.“
 
Kann man sich eine bessere Antwort auf die Zwietracht, die nicht selten aus Motiven der unterschiedlichen Weltanschauung geboren ist, wünschen?
Nun erfolgt zu Recht Applaus ...
J.L.

 
04.12.2017
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü