Aufwind - Kirche SZB

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Musiksommer 2017
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Fotos: Stefan Ditter
Die fünf vom Prenzelberg haben Musik im Blut.

Man trifft sie nicht so häufig – Gruppen, die sich der jiddischen Musik verschrieben haben.
Schon aus dem Grund sollte man am Montag, 21. August, nach Schwarzenberg gekommen sein.
Und viele waren gekommen. In der gut gefüllten St. Georgenkirche erwarteten die Zuhörer jiddische Lieder und Klesmermusik vom Feinsten.
Die Gruppe Aufwind, die bereits im Herbst 2015 in Schwarzenberg gastierte, war eigens aus der Bundeshauptstadt angereist. Fast zwei Stunden gaben die 5 Vollblutmusiker erneut Kostproben ihres beeindruckenden Könnens. Herausragend durch Authentizität der Spielweise und ihre ungezügelte Lust am Musizieren - so gaben sich Claudia Koch – Gesang, Violine, Viola, Hardy Reich – Gesang, Mandoline, Gitarre, Banjo, Andreas Rohde –­ Gesang, Bandonion, Perkussion, Gitarre, Jan Hermerschmidt – Klarinetten, Flöte, Gesang und Janek Skirecki – Baß  in diesem Konzert.
Dabei „spielten“ die Musiker nicht einfach nur Musik. Man hatte stattdessen den Eindruck, als begegneten sie ihren Instrumenten mit Zärtlichkeit und Hingabe und entlockten ihnen mit ihrer Zuwendung Töne, die nicht hätten schöner klingen können. Musik die schwermütig, zuweilen traurig, zugleich aber auch fröhlich und sprudelnd vor Vitalität und Lebendigkeit sich sofort in die Herzen der Besucher schreibt. Man musste sich in den Bankreihen nur einmal nach links und rechts wenden um zu sehen, wie die Töne die Zuhörer in ihren Bann zogen. Da sah man schon einmal Senioren, die mit Gehhilfe in die Kirche gekommen waren mit den Füßen steppen und so manch einer beobachtete belustigt, wie seine Hände scheinbar von selbst den Rhythmus auf die Kirchenbank trommelten.
Muss man sich in manche Musikrichtung erst „einhören“, so geht jiddische Musik sofort ins Blut und dringt tief in die Seele ein. Sie fasziniert durch ihre Vielfalt und Lebendigkeit. Gefühlvoll instrumentierte Balladen mit ausdrucksstarkem Gesang, vor allem durch die Stimme Claudia Kochs, wechselten mit schwungvollen, lebensfrohen Klezmerstücken.
„Jede Volksmusik ist schön, aber von der Jüdischen muss ich sagen, sie ist einzigartig!“ - so sprach einmal Dimitrji Schostakowitsch über die jüdische Musik. Sie ist fröhlich und traurig zugleich. Eine Musik, die von Herzen kommt und zu Herzen geht. Die trotz erfrischendem Schwung, trotz mitreißendem Rhythmus und eingängiger Melodien immer auch die tragischen Seiten des Lebens beleuchtet.
Klesmermusik ist die Instrumentalmusik der osteuropäischen Juden. Sie hat sich über die Jahrhunderte entwickelt und enthält viele Elemente aus der Volksmusik Osteuropas. Die langsame Hora, die sehnsüchtige Dojna, der heiße Bulgar und die schnelle Sirba vereinen sich zu einer Gebrauchs- und Festmusik, die allen Gefühlen gerecht wird. Ursprünglich wurde Klesmermusik von fahrenden Musikanten gespielt, die von Dorf zu Dorf zogen. Sie erklang und erklingt vor allem auf Hochzeiten, Festen und Feiertagen außerhalb der Synagogen.
Am Abend erklang die Musik in St. Georgen und bereicherte die Reihe des Musiksommers mit Liedern voller Zuversicht und Lebensfreude.  
Jedes dieser Lieder ist eine Liebeserklärung an eine Sprache, die Ghettos und Lager überlebt hat.
J.L.
 
04.12.2017
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