Steffen Peschel Trio - Kirche SZB

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Fotos: St. Ditter
Alter Wein in neuen Schläuchen ...?

Muss man Lieder von Paul Gerhard oder Martin Luther in ihrer schlichten und eindringlichen Art noch verbessern?
 
Man musste bereit sein, sich auf die Möglichkeiten des Neuen und Ungewohnten einzulassen und unvoreingenommen dem Konzert begegnen. Das Steffen-Peschel-Trio interpretierte Choräle von Gerhard, Luther und seinen Zeitgenossen. Es war das siebente Konzert in der Reihe des Musiksommers 2017 in St. Georgen am letzten Tag des Julis.
„Choral trifft Jazz“ – so nannten die drei Musiker ihr Programm. Und das war wörtlich gemeint. Lieder, die man bislang aus dem Gesangbuch kannte, erklangen in neuen Interpretationen, eben im Stil des Jazz.
Dabei wirkte vor allem der Gesang von Uta Hoffmann sehr gefühlvoll und zuweilen zärtlich. Nicht nur, dass sie ihre Moderationen in gute Worte setzte, sie vermochte es auch, die Texte der einzelnen Lieder glaubhaft zu vermitteln und sang sich im Laufe des Abends immer tiefer in die Herzen der Zuhörer ein. Man wurde angesteckt durch die Innigkeit des Ungewohnten, der Improvisationen und den Klangbildern der besonderen Arrangements der alten Choräle. Und so war es fast befreiend, der Einladung Hoffmanns zu folgen und das eine oder andere Lied mitzusingen. Dabei ertappte sich manch einer, wie er fast ungewollt, ganz in der Art des Jazzes, die eine oder andere Synkope in den Gesang einbaute um damit die rhythmische Spannung zu erhöhen. So sang man die ehrwürdigen Choräle eher selten.
Neben Uta Hoffmann brillierte vor allem Silke Krause am E-Piano. Ihre Arrangements bereicherten neben denen Steffen Peschels den Abend in besonderer Weise. Die Leichtigkeit ihres Spiels und der gekonnte Groove untermalten nicht nur den Gesang, sondern wirkten als gleichwertiges Drittel der gesamten Formation.
 
Die Musiker des Steffen-Peschel-Trios kennen sich schon länger und haben mehr oder weniger auch schon in anderen Ensembles miteinander musiziert. Steffen Peschel gab den Anstoß für das Musizieren in dieser Triobesetzung, als er feststellte, wie jeder der Musiker eigene Talente mitbringt, die sich hier in wunderbarer Weise ergänzen und zu musikalischen Höchstleistungen addieren.
Das Steffen-Peschel-Trio wagt den Brückenschlag und spielt alte Choräle in mitreißend-unkonventioneller, brillant umgesetzter Form.
Das gelang ihnen auch an diesem Abend und öffnete bei vielen der gekommenen Zuhörer längst verschlossen geglaubte musikalische Türen.

Es wird als das am meisten gedruckte Lied der Welt bezeichnet: mit dem Versen von Matthias Claudius „Der Mond ist aufgegangen“ beendeten das Steffen-Peschel-Trio und die Konzertbesucher gemeinsam den Abend.
 
Nein, verbessern muss man die Choräle Gerhards, Luthers und anderer nicht.
Aber es kann eine lohnende und erfüllende Möglichkeit sein, sie mit Gefühl, Innigkeit und Glaubwürdigkeit in „neuem Gewand“ zu interpretieren.
Am Montag ist dies gelungen.
J.L.

 
19.09.2017
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