Aufwind - Kirche SZB

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Fotos: Stefan Ditter
"Arele un der rojter ber in wald"
Gruppe Aufwind bestreitet 6. Konzert des Musiksommers

Jiddische Lieder zeigen sich als Ausprägung einer Kultur, die über Jahrhunderte ein bedeutender Teil des europäischen Lebens war.
In der Bundesrepublik waren jiddische Lieder zunächst eine Musik des schlechten Gewissens. Die Deutschen hatten unter der Nazi-Herrschaft mit den Juden auch eine reiche Kultur ausgelöscht. Als in den 60er-Jahren die Studentenbewegung begann, die Verdrängung der Aufbaugeneration zu hinterfragen, da wurde auch die jüdische Kultur ein Thema. Besonders nach der Wiedervereinigung gab es einen Boom jiddischer Musik und speziell von Klezmer in Deutschland.
 
Dieser Stilrichtung hat sich auch die Gruppe „Aufwind“ verpflichtet.
Bereits 1984 gegründet, interpredieren fünf Musiker jiddische Lieder und die traditionelle Hochzeits- und Festmusik der jiddischsprachigen aschkenasischen Juden im Osteuropa des 18. und 19. Jahrhunderts (Klezmer).
Aufwind, das sind Claudia Koch – (Gesang/Violine/Viola), Hardy Reich – (Gesang/ Mandoline/Gitarre/ Banjo), Andreas Rohde – (Gesang/Bandonion/Perkussion/ Gitarre,) Jan Hermerschmidt – (Klarinetten/Flöte/Gesang) sowie Janek Skirecki – (Baß).
Der jüdische Publizist Ruben Frankenstein sagte einmal: "Wie der jiddische Witz, die Anekdote und das Sprichwort, in denen sich talmudischer Scharfsinn und geschliffener Humor manifestieren, ist auch das jiddische Volkslied ein Ausdruck sozialer und emotionaler Misere - und gleichzeitig, einmal in Klage, einmal in Spott, der Versuch, sie zu bewältigen.".
Was sich manchem vermeintlich als melancholische, traurige Musik darstellt, verwandelten die fünf Vollblutmusiker in ein freudig stimmungsvolles Programm voller Emotionen.
Bereits zum dritten Mal waren sie am Montag, 10. August 2020, gern gesehene und vor allem gehörte Gäste des Musiksommers.
Fröhlich und traurig zugleich, von Herzen zu Herzen gehend, erfrischen im Schwung und mitreißend im Rhythmus beleuchteten die Musiker die frohen und tragischen Seiten jüdischen Lebens.
Besonders hörenswert die stimmführenden Klarinettentöne Hermerschmidts. Weinend, klagend, trauernd - dann wieder verträumt und verspielt und letztlich fröhlich, jubelnd und lachend spiegelten die Töne überbordende Lebensfreude wider, die den Ernst und das Leid nicht außer Acht lassen.
Die wippenden Füße in den Kirchenbänken zeugte davon, dass sich kaum einer dieser Musik entziehen konnte.
„Scheene Mazel tov“, viel Glück, wünschten die Musiker den zahlreich erschienenen Zuhörern am Ende Ihres Konzerts.
Ein Konzertbesucher rief einem Bandmitglied nach: „Vielen Dank und bis bald!“
Der Antwort des Musikers: „Na, das hoffen wir doch!“ kann man sich nur anschließen.
Und bis dahin: „Schalom“!
J.L.
21.10.2020
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